Aufsatz zur Erklärung eines bis dato unbekannten Phänomens von Sabine Heydel

"Faszinierend" wäre das einzige Wort, das der gute alte Mr. Spock aus der Serie Star Trek zu dieser Geschichte zu sagen hätte und ich kann mich hier nur anschließen.

Teaser:

Meine Suche nach der Wahrheit begann mit der Tatsache, dass für gleiche Geschehnisse die Zeit unterschiedlich zu verstreichen schien. Meinen Bericht dazu verfasse ich nach bestem Wissen. All mir geschehene Dinge gebe ich nun so detailliert und wahrheitsgetreu wieder, als es mir möglich ist. Zudem habe ich dort, wo es mir wichtig erschien und die Möglichkeit bestand, die Umstände getestet und nach wissenschaftlichen Verfahren mit statistischen Daten untermauert. Ich beginne mit der Beschreibung des Phänomens. Anschließend zeige ich die von mir getätigten Untersuchungen und Verfahren auf. Zum Schluss: der Versuch einer Erklärung des von mir entdeckten Phänomens....
ISBN: "978-3-96385-022-6"

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Fritz-Friedrich Bohdenmaiß Betrachtungen zeitlicher Abläufe: Aufsatz zur Erklärung eines bis dato unbekannten Phänomens -------- F.-F. Bohdenmaiß – ein Forscher alter Schule in unserer modernen Zeit, der es versteht, Phänomene des Alltags verständlich zu beschreiben. Er schreckt auch nicht vor neuen, andersartigen Erklärungen zurück, ohne dabei den Boden der Tatsachen zu verlassen. Wer ihm auf seinem außergewöhnlichen Weg folgt, wird seine Umwelt und die Zeit zukünftig mit neuen Augen sehen. -------- ,,Es gibt mehr Ding’ zwischen Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumt, …“ Horatio 1.Akt, 5. Szene, Hamlet William Shakespeare Einleitung Meine Suche nach der Wahrheit begann mit der Tatsache, dass für gleiche Geschehnisse die Zeit unterschiedlich zu verstreichen schien. Meinen Bericht dazu verfasse ich nach bestem Wissen. All mir geschehene Dinge gebe ich nun so detailliert und wahrheitsgetreu wieder, als es mir möglich ist. Zudem habe ich dort, wo es mir wichtig erschien und die Möglichkeit bestand, die Umstände getestet und nach wissenschaftlichen Verfahren mit statistischen Daten untermauert. Ich beginne mit der Beschreibung des Phänomens. Anschließend zeige ich die von mir getätigten Untersuchungen und Verfahren auf. Zum Schluss: der Versuch einer Erklärung des von mir entdeckten Phänomens. Aufstieg und Zeit Meine Behausung befindet sich im vierten Stock eines ganz gewöhnlichen Mietshauses. Von den dort wohnenden Menschen ist nichts Nachteiliges oder Außergewöhnliches zu berichten. Nur der Mieter der zweiten Etage hält sich auffallend oft im Keller auf. Des Öfteren bemerke ich ihn, wenn ich morgens das Haus verlasse, auf der Treppe. Er benimmt sich, als sähe er mich nicht, und ich tue es ihm gleich. Ansonsten gehe ich täglich zur selben Zeit aus dem Haus und komme ebenso immer zum gleichen Zeitpunkt zurück. Dabei fiel es mir das erste Mal auf, dass ich für den Aufstieg zu meiner Wohnung an manchen Tagen mehr Zeit benötigte. Sicher, so sagte ich mir, liegt es daran, dass ich eine Tasche zu tragen hatte. Um nun den Umstand einer unterschiedlichen Belastung auszuschließen, achtete ich ab dato peinlichst darauf, jeden Tag die gleiche Kleidung, Schuhe und Tasche zu tragen. War ein Wechsel von Wollmantel zu leichterer Jacke angezeigt, glich ich das Gewicht durch einige Bücher oder Zweitschriften aus. Auch meine Einkäufe erfolgten nun in der Weise, nur von mir abgewogene Gläser, Flaschen und dergleichen einzukaufen, um immer dasselbe Gewicht im Beutel zu haben. Die dafür angefertigten Listen der verschiedenen Lebensmittel gebe ich auf Anfrage gerne weiter. Jedoch konnten diese Maßnahmen das von mir geschilderte Problem nicht lösen. Da weder meine körperliche Verfassung noch die Belastung eine schlüssige Antwort auf meine Fragestellung brachten, kam für mich zunächst nur eine weitere mögliche Erklärung in Betracht. Der Weg musste unterschiedlich lang sein. Nur dies erklärte, wieso ich mehr oder weniger Zeit für den Aufstieg benötigte. Diese These ließ sich allerdings, auch nach mehrmonatigen Messungen, vorerst nicht halten. Immer blieb die Anzahl der Treppen und Stufen gleich. Auch Höhe und Abstände änderten sich nicht. Damit, so war mir alsbald klar, kam nur noch eine Anomalie der Zeit in Betracht. Natürlich war mir immer klar, dass mein Tag genau für wie für jeden anderen Menschen auch vierundzwanzig Stunden besitzt und Sonnenauf- und Untergang gemäß der errechneten Zeiten geschehen. Aber innerhalb der Frist von Auf- und Untergang musste die Zeit manipuliert sein – also langsamer oder schneller vergehen. Der ausschlaggebende Fakt, welcher mich zu diesem Gedanken brachte, war mein Frühstücksei. Da ich dieses immer nur am Wochenende und ebenso immer zur gleichen Zeit, mit immer demselben Verfahren kochte, war es mir unerklärlich, wieso das Ergebnis von glibberig bis hart gekocht ausfiel. Die Frage nach der Zeitmessung kann getrost beiseitegeschoben werden, da ich eine Sanduhr verwende. Diese ist in einem festen Gehäuse eingeschlossen, sodass ein Mehr oder Weniger des Sandes nicht in Frage kommt. Nun blieb nur noch, die Größe der Eier genauestens zu bestimmen, um ein wirklich vergleichbares Ergebnis zu erhalten. Mit dem Prinzip des Archimedes1 war dies kein Problem. Nur die Menge der Eier, welche ich benötigte, um identische Paare zu erhalten, überstieg bald meine Vorratshaltung. Doch trotz aller Bemühungen und einem nicht geringem Geldeinsatz kam ich zu keinem schlüssigen Ergebnis. Diese Versuchsreihen ließen, für sich genommen, kein Muster erkennen. Fünf Minuten und Ausgleich Da die Zeit innerhalb eines Tages zu unterschiedlichen Zeitpunkten gestreckt oder auch verkürzt wurde, stellte ich meine Eierkochversuche der Statistik der Treppenaufstiege gegenüber. Nun zeigte es sich, dass an manchen Tagen ein Ausgleich erfolgte. Hatte ich beim Treppensteigen besonders viel Zeit benötigt, wurde diese Spanne beim Eierkochen wieder eingespart. Das Ergebnis war ein weiches, fast noch rohes Ei. Ebenso konnte es sein, dass an Tagen mit hartgekochten Eiern ich so flugs den Aufstieg hinter mich brachte, dass es mich bass erstaunte. Leider reichten meine Daten für eine aussagekräftige und belastbare Statistik noch nicht aus. Der Prozentsatz der Tage, an welchen ein Zeitausgleich explizit nachgewiesen werden konnte, war für eine wirkliche wissenschaftliche Erklärung quantitativ noch zu gering. Daher war es mein Bestreben, weitere Versuchsreihen in Bezug auf eine Zeitmanipulation zu ersinnen. Sehr aufschlussreich zeigte sich dabei eine Tropf-Apparatur, welche eine genau bestimmte Menge Wasser in ein Gefäß abgibt, wobei die benötigte Zeit gemessen wird. Dieser Versuch konnte auch ablaufen, wenn ich nicht zugegen war. Damit wurde ein Einfluss meiner körperlichen Anwesenheit eindeutig ausgeschlossen. Jedoch kann ich nach mehrjähriger Forschung abschließend und mit aller Bestimmtheit eine Anomalie der Zeit reklamieren. Die von mir durchgeführten Versuche belegen dies mit aller Deutlichkeit. Ausblicke Die meisten Menschen empfinden Ort und Zeit als zwei verschiedene Gegebenheiten und betrachten sie daher auch als zwei unabhängige Größen. Doch wissen wir, Zeit und Raum bedingen sich unter bestimmten Voraussetzungen. Nun könnte der Leser ins Feld führen, die gegenseitige Beeinflussung von Zeit und Raum geschieht nur bei Lichtgeschwindigkeit oder bei Anwesenheit von ungeheurer Masse, Strahlung oder Energie. Aber, so frage ich, was ist mit den kosmischen Gesetzen des großen Hermes Trismegistos, verewigt auf den sieben Smaragdtafeln? Eines davon lautet: Wie oben – so unten, wie unten –so oben. Wie innen – so außen, wie außen – so innen. Dass unsere so hochgelobten Wissenschaftler dazu nicht wenige Entsprechungen gefunden haben, ist wohl unbestritten. Allerdings sind sie nicht bereit, die Existenz von Anomalien bzw. Phänomenen anzuerkennen, wenn diese der gängigen Meinung widersprechen oder mit ihren Methoden nicht messbar sind. Aber ein aufgeschlossener, reger Geist wird nicht umhin kommen, die von mir geschilderten Tatsachen zumindest in Erwägung zu ziehen. Und damit rufe ich jeden auf: Beobachten Sie, testen Sie und – vor allem– bilden Sie sich eine eigene Meinung! Wenn man nur der zurzeit feststehenden Meinung folgt, wird man als echter Forscher Stillstand erleiden. Es gibt bereits mehr Menschen als gedacht, die ihren Alltag mit aufmerksameren Augen betrachten als der Durchschnitt. Sie beschreiten den steinigen Weg der Forschung, dadurch dass sie einmal erkannte Unregelmäßigkeiten nicht einfach hinnehmen. Auch um den Preis des Verkanntwerdens, Kopfschüttelns oder – schlimmer noch – der persönlichen Anfeindungen. Doch diese entschlossen Suchenden bringen uns weiter und öffnen Türen, welche sonst verschlossen blieben. Dazu ein signifikantes Beispiel aus meiner unmittelbaren Umgebung: Wie bereits am Anfang erwähnt, traf ich früh morgens des Öfteren den Mieter der zweiten Etage. Nach Monaten sprach er mich an, um zu fragen, ob meine Messergebnisse zur Anzahl und Höhe der Stufen etwas ergeben hätte. Mehr als erstaunt bekannte ich, dass dies nicht der Fall sei, dafür aber andere Messungen von Erfolg gekrönt wären. Nun, einmal ins Gespräch gekommen, vertrauten wir einander unsere Forschungsfelder an. Zu meiner Verblüffung befasste auch er sich mit Zeitforschung. Eine eigens dafür geschaffene Vorrichtung befand sich in seinem Keller. (Die Erklärung der Funktionsweise überlasse ich meinem Freund, falls er sich dereinst entschließen sollte, seine Ergebnisse zu veröffentlichen.) Wir betrachteten unsere Daten im Kontext, und die bis dahin noch etwas dürftige Statistik füllte sich mit Zahlen – und wie gesagt: Zeitanomalien finden eindeutig statt. Theorem Nun endlich, da ich diesen Mitstreiter gefunden hatte, konnte ich mich weiter mit der Ursachenfindung des Zeitphänomens befassen. Bald trug ich ihm meine Theorie vor, und wir beschlossen nach längerer Diskussion, diese bekanntzugeben. Mancher von Ihnen wird dieser Gedanke noch als zu kühn erscheinen, um hier schriftlich fixiert der Öffentlichkeit unterbreitet zu werden. Aber nichtsdestotrotz hoffen wir doch, damit weitere Menschen gleichen Sinnes anzusprechen. Meine Schlussfolgerungen ziehe ich aus folgenden Tatsachen: Raum und Zeit bedingen einander Die Natur und damit auch die Naturgesetze streben nach Ausgleich zu I.: Wenn die Zeit sich dehnt, dann erfolgt der Effekt auch räumlich. Daher war es mir nicht möglich, einen Größenunterschied der Treppenstufen nachzuweisen. Natürlich waren sie höher, wenn die Zeit gedehnt war, und gingen bei Stauchung der Zeit in ihre Ausgangslage zurück. Werden nun alle dokumentierten Ereignisse in ein Minkowski-Diagramm1 eingetragen, wobei die Ortskoordinaten als x, y und z erfasst werden und die Zeit als vierte Koordinate t abgebildet wird, erhalten wir eine spiralförmige Anordnung der Ereignisse innerhalb des Raumes. Tatsächlich gibt es spiralförmige Formen nahezu überall in der Natur. Im Unbelebten wie im Lebendigem, im Mikro- wie im Makrokosmos. Bei vielen Kletterpflanzen und Farnen sind die jungen Triebe spiralförmig eingerollt. Andere Pflanzen haben Samen in Spiralform. Selbst Tornados und Hurrikans strömen in Spiralform. Die Gründe für das Auftreten der Spiralform sind nur teilweise erklärt. Mal ist sie feste Form, wie im Schnecken- oder Muschelgehäuse, mal nur kurzfristige Position, ein anderes Mal eine Bewegungsbahn. Dennoch sind allgemeine Prinzipien dahinter erkennbar, wie die Fibonacci­Zahlenreihe2 beweist. Denn unter zu Hilfenahme dieser kann die Spirale in Verschiedener Weise dargestellt werden. Dies im belebten, wie im unbelebten als auch im mathematischen Bereich. siehe Anhang, Abb. siehe Anhang, Abb. zu II.: Wenn eine Dehnung erfolgte, musste folgerichtig eine Stauchung eintreten, um einen Ausgleich herzustellen. Denn wie gesagt, jeder Tag behält im Ganzen betrachtet seine berechnete Länge. Aber so wie auf eine lange, trockene Phase eine Periode mit erheblichem Regen folgt, so gleicht die Natur nicht nur den Wasserhaushalt, sondern auch den der Zeit aus. Tatsache oder Umkehrschluss Dies, verehrte Leser, sind die Schlussfolgerungen aus meiner Forschung zu Phänomenen der Zeit. Es wurde festgestellt: Die Zeit pulsiert und stellt sich gleichsam als Atmung von Mutter Natur dar. Ein ruhiges, stilles Atmen, fast unbemerkt. Doch wie alle naturgegebenen Gesetzmäßigkeiten ist auch die Veränderlichkeit der Zeit vorhanden, lang bevor sie von einem Forscher beschrieben wurde. Dass Dinge von oben nach unten fallen, war schon immer so, auch wenn diese Tatsache erst von Aristoteles beschrieben und später von Isaak Newton im Gravitationsgesetz formuliert wurde. Wenn Sie, lieber Leser, meiner auf Tatsachen begründeten Schlussfolgerung nicht folgen und eine natürliche, den Naturgesetzen folgende Erklärung nicht in Betracht ziehen können – dann bedenken Sie: Was wäre die Alternative? Abb.: 2 Leonardo da Pisa (1170 – 1240), genannt Fibonacci. Die von ihm beschriebene Fibonacci-Reihe ist eine unendliche Folge natürlicher Zahlen, die zweimal mit der Zahl 1 beginnt. Im Anschluss ergibt jeweils die Summe zweier aufeinanderfolgender Zahlen die unmittelbar folgende Zahl. Sie diente ihm vorerst zur Beschreibung des Wachstums einer Kaninchenpopulation, beschreibt aber ebenso die Wachstumsvorgänge der Pflanzen.

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