Die Geschichte der romantischen Liebesgeschichte: Der Frauenroman

Der Frauenroman ist nicht notwendigerweise von Frauen geschrieben, sondern für Frauen. Wichtig ist dabei, dass die Leserin sich in der Geschichte wiederfindet, sich vielleicht mit der Protagonistin identifiziert oder sich zumindest in die beschriebene Welt hineinträumen kann. Meistens dreht sich die Handlung um ein Paar, das zusammenfinden soll und auf dem Weg zum Glück die eine oder andere Hürde überwinden muss. Dieser Gedanke ist beileibe nicht neu! Hat nicht bereits 1771 Sophie von La Roche mit ihrem empfindsamen Briefroman „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ keinen Geringeren als Johann Wolfgang von Goethe zu seinem berühmten „Werther“ inspiriert! In einer Zeit, in der selbst privilegierte Frauen über keine nennenswerten Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung verfügten, war das Lesen romantischer Bücher oft der einzige Weg, sich ein Bild von der Welt zu schaffen. Anfang des 19. Jahrhunderts beschrieb zum Beispiel die englische Schriftstellerin Jane Austen das Leben solcher Frauen auf amüsante und romantische Art. Auch hier geht es immer um die Liebe und allerlei Verdrehungen, bis das Paar sich endlich das Ja-Wort geben kann. Vordergründig offenbart sich dabei das Leben der Frauen aus Austens Gesellschaftsschicht – Bälle, Mode, einen gutsituierten Bräutigam finden – doch wer genau hinsieht, erkennt die augenzwinkernde Gesellschaftskritik an überspitzten, schon damals altmodisch wirkenden Figuren auf der einen Seite und Heldinnen auf der anderen, die ihre Meinung selbstbewusst äußern – dabei auch mal einen Heiratsantrag ablehnen! – und ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Leider ließ die Entwicklung bis Mitte des 20. Jahrhunderts den Frauenroman oft zu einem Trivialgebilde verkommen. Die anschließende Einbeziehung feministischer Tendenzen trug nicht zu einer nennenswerten Rehabilitierung des Genres bei. Dennoch finden sich bis in unsere Zeit hervorragend erdachte Geschichten, die vor allem eines wollen – Frauen unterhalten! Das gesamte Spektrum an Emotionen wird gefällig und oft humorvoll beschrieben, Träume und Sehnsüchte werden ausgelebt wie zum Beispiel in den Romanen von Rosamunde Pilcher, oder der ganz normale Wahnsinn im Alltag der modernen Frau auf die Schippe genommen wie bei Hera Lind. Spätestens mit „Fifty Shades of Grey“ von E L James hat nun auch die Erotik Einzug in die Frauenliteratur gehalten. Mit dem Aufkommen des Self-Publishings ist das Angebot an Frauenromanen schier explodiert. Auch hier bedient zumindest die Nebenhandlung die romantischen Erwartungen der Leserinnen, und für gewöhnlich hat die Geschichte ein Happy End. Wer aber meint, dies beziehe sich ausschließlich auf das frischverliebte Paar, der irrt – am Ende entscheidet die Heldin selbst, was sie erst richtig happy macht!
Frauenroman-Zwischenbild

Und wie schreibt man einen Roman für frau?

Das Schicksal führt die beiden zukünftigen Liebenden gerne zu einem äußerst ungünstigen Moment zusammen. Zuerst halten sie vielleicht nicht viel voneinander. Missverständnisse und Intrigen säumen den Weg; fast sieht es so aus, als gäbe es keine gemeinsame Zukunft! Dann schlägt das Schicksal noch einmal zu – und das macht den Reiz des romantischen Frauenromans stets aufs Neue aus, denn hier kann sich die schriftstellerische Kreativität so richtig entfalten – und schon sieht die Sache ganz anders aus! Die Heldin versinkt in den Armen ihres Traummannes ... oder lässt ihn ohne Bedauern und eine Spur weiser von dannen ziehen, um mit ihrer besten Freundin eine Flasche Merlot zu entkorken und auf das eigentliche Happy End – die eigene Agentur? Das renovierte Haus? – anzustoßen.
Frauen Roman

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